Gesund Leben:

Wunderbar

„Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehn. Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn.“ So sang Katja Ebstein  beim Eurovision Song Contest 1970 und belegte mit ihrem Schlager immerhin den dritten Platz. Offenbar hat sie damit einen „Nerv“ bei den Zuhörern getroffen. 

Gibt es so etwas wie Wunder, also Dinge, die sich nicht erklären lassen? Die jeder vernünftigen Deutung widersprechen? Unser heutiges Denken ist von Wissenschaft und Technik geprägt. Da haben Wunder im engeren Sinn keinen Platz. Was sich nicht begründen lässt, steht im Verdacht, Humbug zu sein. Grundsätzlich ist das auch richtig. Gerade in der Welt von Social Media lässt sich oft nicht auf Anhieb unterscheiden, was Fakten sind und was Fake News. 

Auch die Bibel enthält viele „wunderbare“ Erzählungen. Als die Texte entstanden, hatten die Menschen damit noch keine Schwierigkeiten. Sie unterschieden nicht zwischen einer nachprüfbaren Wirklichkeit und einer Welt, in der übernatürliche Dinge geschehen. Wir dagegen wollen genau wissen, was tatsächlich geschah und was bildlich gemeint ist. Erst so erschließt sich uns die Wahrheit, die diese Geschichten dennoch enthalten.

Viele Dinge, die uns begegnen, können uns zum Staunen bringen und uns tief erfassen. Eine Rose erblüht. Jemand verliebt sich. Wir blicken in den nächtlichen Sternenhimmel. Wir hören klassische Musik  oder Rock und Pop. Ein Kind kommt auf die Welt. Das alles lässt sich vernünftig erklären. Aber wir spüren, dass solche Erfahrungen eine andere Ebene in uns berühren, die der Verstand nicht erreicht. 

Unser Leben birgt viel Wunderbares. Es ist gut, wenn wir einen Blick dafür haben. Wie wir es deuten, liegt an uns: ob im Glauben an Gott oder irgendeine höhere Macht, oder einfach in der Überzeugung, dass das Leben über das hinausreicht, was sich wissenschaftlich erklären lässt. 

In der Eingangshalle des Klinikums begegne ich Frau S. Ich habe sie eine Zeit lang begleitet. Am Anfang stand es sehr kritisch um sie. Man wusste nicht, ob sie ihre Krankheit überstehen würde. Nun wartet sie darauf, dass ihr Mann sie abholt. Sie verabschiedet sich von mir mit den Worten: „Dass ich jetzt nach Hause kann, das ist für mich ein Wunder.“

Ich bin katholischer Klinikpfarrer und schon seit vielen Jahren am Klinikum tätig. Hier arbeite ich regelmäßig mit Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen zusammen, erlebe deren Geschichten und Schicksale. Dabei lerne ich auch immer wieder Neues über mich selbst und darüber, was im Leben wirklich wichtig ist.
Gerhard Kögel