Mensch & Moderne Medizin
Allergien im Wandel
Allergien nehmen seit Jahrzehnten deutlich zu, das RKI spricht von einem epidemischen Ausmaß und einer Volkskrankheit. Laut RKI-Statistik sind etwa 30 Prozent aller Erwachsenen sowie 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen. „Die Entwicklung ist besorgniserregend“, betont Professorin Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, die die Zahlen noch höher einschätzt. „Leider bagatellisieren oftmals Patienten selbst ihre eigene Allergie und lassen sie unbehandelt“, bedauert die Inhaberin des Lehrstuhls für Umweltmedizin an der Universität Augsburg und Chefärztin der Hochschulambulanz für Umweltmedizin am Universitätsklinikum. Dabei seien viele Allergien gut therapiebar. Und eine Behandlung auch aus präventiven Gründen notwendig: Wer seinen Heuschnupfen behandeln lässt, kann meist der Entwicklung von allergischem Asthma bronchiale vorbeugen.
Präventive und resilienzstärkende Maßnahmen zu entwickeln, ist ein Ziel der Forschung von Professorin Claudia Traidl-Hoffmann. „Denn der Klimawandel ist ein Faktor, der die Allergien zunehmen lässt und der Menschen mit Allergie mehr leiden lässt - darauf müssen wir reagieren.“ Allein die sich verändernden Ökosysteme führen zu Effekten, die Allergien für die Betroffenen heftiger machen und ihre Lebensqualität dadurch spürbar einschränken. Die Pollensaison wird nicht nur länger, zugleich nimmt auch die Konzentration der Pollen in der Luft deutlich zu. Bäume, die unter Trockenstress stehen, schütten besonders viele Pollen aus. „Zusätzlich wird der Pollen selbst aggressiver: Eine Pflanze, die während des Wachstums mit mehr Kohlendioxid umgeben ist, setzt Pollen mit mehr von den speziellen Eiweißen, den sogenannten Allergenen frei, die eine Allergie auslösen“, so die Dermatologin und Allergologin. Und nicht zuletzt gibt es durch invasive Arten auch neue Pollen, mit denen Menschen zu kämpfen haben. Ein in diesem Zusammenhang häufig genanntes Beispiel dafür ist die Ambrosia, das Beifußblättrige Traubenkraut. „Jede Ambrosia-Pflanze kann bis zu einer Milliarde Blütenpollen abgeben, die zudem deutlich aggressiver sind als der Blütenstaub heimischer Pflanzen“, so die Umweltmedizinerin. Die kleinen Eiweiße können tief in die Lungen eindringen und starke allergische Reaktionen auslösen. Das kann zu Heuschnupfen führen, aber auch zu allergischem Asthma.
Ein weiteres Problem der zunehmenden Erkrankungen durch Pollen ist der Anstieg von Kreuzallergien. Davon spricht man, wenn das Immunsystem plötzlich auf Allergene reagiert, die dem ursprünglich auslösenden Stoff ähnlich sind. Wer beispielsweise allergisch auf Birkenpollen reagiert, kann plötzlich auch bei Äpfeln allergische Reaktionen erleben. Schätzungsweise haben 60 Prozent der Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie in erster Linie Heuschnupfen. „Davon unterscheiden muss man Patientinnen und Patienten mit multiplen Allergien, also mit mehreren, unabhängig voneinander zu betrachtenden Allergien – auch deren Zahl nimmt zu ebenso wie die der Patienten, die auch im höheren Lebensalter noch eine Allergie entwickeln“, so Claudia Traidl-Hoffmann.
Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann
Direktorin Institut für Umweltmedizin und Integrative Gesundheit
Die Hochschulambulanz für Umweltmedizin am Universitätsklinikum Augsburg hilft in ihrer ambulanten Sprechstunde Patientinnen und Patienten, deren Symptome und Erkrankungen aus der Gesamtheit der Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Umwelt und Mikrobiom entstehen.
Sprechstunde: Montag bis Freitag, 8:30 bis 13:30 Uhr | Telefon: (0821)400-3200
Website: Hochschulambulanz für Umweltmedizin - Universitätsklinikum Augsburg
Weitere Informationen über die Augsburger Umweltmedizin finden Sie auf den Seiten des Lehrstuhls für Umweltmedizin und des Instituts für Umweltmedizin.