Wie ein Hund die Herz-Gesundheit verbessern kann

Die Erkrankung der Herzkranzgefäße, auch koronare Herzerkrankung genannt, ist weltweit die häufigste Todesursache. Dabei kommt es durch verschiedene Risikofaktoren (Rauchen, Stress, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes mellitus, Bewegungsmangel, Ernährungsfehler u.a.) zu einer Verengung der Herzkranzgefäße mit Minderdurchblutung des Herzmuskels bis hin zum Herzinfarkt.

Das Herz im üblichen Sinn

Meist betrachtet man das Herz als Pumpe, die unseren Körper mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Dafür schlägt es etwa 100.000mal am Tag und befördert dabei bis zu 10.000 Liter Blut. In einer Minute durchströmt das gesamte Blut (ca. 5 Liter) den Körper und kehrt wieder zum Herzen zurück.

Das Herz im übertragenen Sinn

Das „Herz“ eines Menschen wird aber auch mit seinem Gefühlsleben gleichgesetzt. Denn es ist das Organ mit der intensivsten Nervenversorgung durch das vegetative Nervensystem. Dadurch besteht eine enge Verbindung zwischen seelischem Befinden und gefühlter Funktion unseres Herzens. Und darin liegt das Problem unserer Zeit: Durch Digitalisierung, Informationstechnologie und Künstliche Intelligenz wird der Mensch immer mehr zum Computer reduziert – aber der Computer hat kein „Herz“.

 

Das Problem unserer Zeit ist nicht die Atomenergie, sondern das Herz des Menschen.
Albert Einstein (1879 -1955)

Die Geschichte der Herzinfarkt-Therapie

Professor M. J. Halhuber hat vor ca. 50 Jahren in der Klinik Höhenried am Starnberger See ein Programm zur Rehabilitation nach Herzinfarkt eingeführt. Das war für die Patienten sehr wohltuend und effektiv, weil man dabei auch den gesamten Lebensstil verbessern und so die Risikofaktoren der koronaren Herzkrankheit vermindern konnte. 

Wie die Ärzte auf den Hund kamen

Schon damals bestand allerdings das Problem darin, dass die Patienten zu Hause wieder zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehrten. Deswegen empfahlen Hausärzte bereits damals ihren Herzinfarkt-Patienten, sich einen Hund anzuschaffen – unter der Vorstellung, dass sie dann mit dem Hund regelmäßig spazieren gehen würden. Als man allerdings den langfristigen Effekt der identischen Gehstrecken mit und ohne Hund verglich, war der präventive Effekt mit Hund eindeutig besser als ohne Hund. Und darüber nachzudenken lohnt sich! Denn es beweist, dass die heutige (Hoch-) Schulmedizin wie in früheren Zeiten auch weiterhin wissenschaftliche Ursachenforschung in Kombination mit ganzheitlicher Heilung anstreben sollte.

Der Hund – ein „Herz“ auf vier Beinen

Bei allen „neuen“ Erkenntnissen sollte man immer auch die Geschichte betrachten. Der Hund ist nämlich das älteste Haustier des Menschen und sein erster treuer Begleiter – und zwar, wie archäologische Funde beweisen, schon seit 30.000 Jahren, lange vor anderen Haustieren wie Pferd und Rind. Denn zwischen Mensch und Hund findet ein besonders starker gefühlsmäßiger Austausch statt, der sich wohltuend auf das seelische Befinden auswirkt.

Tiergestützte Therapie

Aber der körperliche und gefühlsmäßige Kontakt mit einem Hund ist nicht nur für die Herz-Gesundheit förderlich. So gibt es im UKA in der Klinik für Palliativmedizin und auch im Kinderschmerzzentrum schon seit längerer Zeit eine sogenannte Tiergestützte Intervention mit wissenschaftlich dokumentierter Verbesserung der ganzheitlichen Heilung auf verschiedenen Ebenen: 

  • Verbesserung der Kommunikation
  • Verbesserung der Entspannung
  • Verminderung des Schmerz- und Angstempfindens
  • Bessere Motivation zur körperlichen Aktivität
  • Steigerung des geistig-seelischen Wohlbefindens

Fazit: In Anbetracht der Zunahme von Zivilisationskrankheiten, Einsamkeit und psychischen Störungen kann das Zusammenleben mit einem Hund ein wichtiger Faktor für eine ganzheitliche Heilung sein.

 

Dr. Peter Konopka

Dr. Peter Konopka promovierte an der LMU München über den Stoffwechsel des menschlichen Herzen und war an den ersten Herztransplantationen Deutschlands als Pathologe beteiligt. In Augsburg war er über 30 Jahre als internistischer Oberarzt der II. Medizinischen Klinik des Klinikums tätig. Darüber hinaus widmete er sich schon frühzeitig der Gesundheit und Prävention und gründete bereits 1976 die ersten Herzgruppen in Augsburg. Als Sportmediziner betreute er die deutsche Radnationalmannschaft bei insgesamt 16 Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen in München. Als Buchautor schrieb er Sachbücher über Radsport, Sporternährung, Yoga und Entspannung.